Mögliche Begleittherapien und
Verhaltensregeln

Knochenerkrankung

Klassische Medikamente zur Therapie der Hyperkalziämie und Hemmung der Knochenzerstörung sind die Bisphosphonate (Pamidronat, Zoledronat). Kürzlich konnte in einer gr0ßen Studie gezeigt werden dass Denosumab, das subcutan ohne der Erfordernis einer vorhergehenden Prüfung der Nieremfunktion, berabreicht werden kann, dem Zoledronat bzgl Prävention von Skelettläsionen ebenbürtig ist. Erfreulicherweise hat Denosumab auch die Progression der Myelomerkrankung reduzieren können.

Infektprävention

Da sowohl die Erkrankung selbst als auch die Therapie eine Schwächung des Immunsystems bedeutet, sollten PatientInnen insbesondere während intensiver Therapiephasen regelmäßig ihre Blutwerte kontrollieren lassen. Bei Auftreten von Infektzeichen und besonders Fieber sollte unverzüglich ein/e Arzt/Ärztin aufgesucht werden, da die Gefahr einer lebensbedrohlichen infektiösen Komplikation (Sepsis) besteht. In bestimmten Behandlungsphasen werden zum Schutz vor Infektionen prophylaktische Gaben eines oder mehrerer Antibiotika sowie eine antivirale Prophylaxe empfohlen.

 

Hygiene

Bis auf wenige Ausnahmefälle ist eine Isolation von PatientInnen mit Multiplem Myelom selbst nach einer Chemotherapie nicht notwendig. Allgemeine Hygienemaßnahmen sollten allerdings stets eingehalten werden. Eine Einschränkung der sozialen Kontakte ist nicht erforderlich. Lediglich der Kontakt mit offensichtlich infektiösen Menschen (z.B. bei Erkältung oder mit kranken Kindern), sollte vermieden werden. Dies gilt allerdings nur für Patienten deren weiße Blutkörperchen (Leukozyten) durch die laufende Therapie stark reduziert ist.

Herpes Zoster

Eine Herpes Zoster-Infektion (Gürtelrose) tritt bei MyelompatientInnen häufig auf. In dr Regel handelt es sich um eine Reaktivierung einer bestehenden (für den Patienten nicht wahrnehmbaren) Infektion. Besonderes Risiko besteht bei Einnahme von Proteasom-Inhibitoren und auch bei Daratumumab. Bei erstgenannter Therapie wird eine Prophylaxe mit einem antiviralen Medikament empfohlen.

Impfschutz

Vor allem nach einer Hochdosischemotherapie mit nachfolgender autologer Blutstammzelltransplantation kann der Impfschutz gegen einzelne Keime reduziert sein. Es wird daher oft eine Auffrischung verschiedener Impfungen nach Beendigung der Hochdosistherapie empfohlen.

Unterstützung des Skeletts

Bei einer Instabilität der Knochen - vor allem der Wirbelsäule - kann es notwendig sein, einzelne Bereiche mit lokalen Schädigungen mittels Bestrahlung zu behandeln. Ebenso kann es sich als hilfreich erweisen durch Stütze von außen die Wirbelsäule oder andere Skelettbereiche zu stabilisieren.

Ernährung

Es ist für MyelompatientInnen eine ausgeglichene mediterrane Ernährungsvariante mit viel Obst und Gemüse (direkt nach einer Therapie nur schälbares Obst oder Gemüse und durchgekochte Speisen) empfehlenswert.

Ebenso sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (etwa 2-3 Litern pro Tag geachtet werden sofern keine schweren Herz-/Nierenerkrankungen bestehen, die eine andere Flüssigkeitsmenge erfordern. Einseitige Diäten sollten unbedingt vermieden werden. Nahrungsergänzungsmittel sind nach derzeitigem Stand nicht erforderlich und können insbesondere bei der Gabe von immunstimulierenden Substanzen sogar schädlich sein.

Bei einer Behandlung mit Bortezomib sollte kein übermäßiger Konsum von Vitamin C und grünem Tee erfolgen, da dadurch nachgewiesenermaßen die Wirkung dieses therapeutisch notwendigen Medikaments abschwächt wird.

Sport

Sportliche Betätigung ist auch bei der Erkrankung an einem Multiplen Myelom ratsam und sollte jedenfalls regelmäßig erfolgen.

Psyche

Die Diagnose und die Therapie des Multiplen Myeloms können sowohl den/die PatientIn als auch die Angehörigen seelisch belasten. Ein Konsultierung psychoonkologisch geschulter Therapeuten oder Seelsorgern ist in diesem Fall dringend anzuraten. Häufig bringen regelmäßige Gespräche mit Dritten viel Entlastung und neue oder alternative Ansätze zur Verarbeitung dieser schwierigen Lebenssituation.

Ergänzende Methoden

Jegliche ergänzende Methoden, die angewendet werden, müssen vorab mit dem Behandlungsteam abgesprochen werden. Sie dürfen keinesfalls die schulmedizinische Therapie ersetzen oder negativ beeinflussen. Vor allem in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) gibt es für die Begleitung von ChemotherapiepatientInnen einige Methoden (z.B.: Akupunktur), die zu einer besseren Verträglichkeit der Therapie beitragen können.

Quellen:

Patienten-Handbuch Multiples Myelom - 2017; Überarbeitete und ergänzte Auflage August 2017 mit Unterstützung der Plasmozytom-Selbsthilfe Rhein-Main Wiesbaden und Myelom Deutschland e.V und unter Mithilfe von Herrn Prof. Dr. Jens Hillengaß, Herrn PD Dr. Dr. Dipl.-Phys. Dirk Hose, Herrn PD Dr. Marc-Steffen Raab, Frau Dr. Uta Bertsch, Frau PD Dr. Ute Hegenbart, Herrn Dr. Marc-Andrea Bärtsch, Herrn Dr. Elias K. Mai und Herrn Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt; Sektion Multiples Myelom, Medizinische Klinik V, Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT) und Plasmozytom-Selbsthilfe Rhein-Main; Stand 2017

 

Der blaue Ratgeber: Plasmozytom – Multiples Myelom, Antworten, Hilfen, Perspektiven; Deutsche Krebshilfe; Stand 2011

 

Li Peiwein et al.; Chinesische Medizin in der Onkologie – Konstitutionelle Unterstützung und Begleittherapie; Verlag URBAN & FISCHER, 1. Auflage 2007

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