Die Diagnose des Multiplen Myeloms

Ziele der Diagnostik

Beim Auftreten von Symptomen und einem Verdacht für ein Multiples Myelom aufgrund der Blutbefunde sollte eine möglichst rasche Abklärung erfolgen bzw. andere Ursachen ausgeschlossen werden.

Die häufigsten Gründe, die zur Diagnosestellung führen, sind krankhaft veränderte Blut- oder Urinwerte sowie Knochenschmerzen oder -brüche.

Knochenmarkspunktion:

Um die Diagnose des Multiplen Myeloms zu stellen, müssen mindestens 10 % sogenannte monoklonale Plasmazellen in einer Knochenmarkprobe, die mit einer Hohlnadel aus dem Beckenkamm oder Brustbein entnommen wird, nachgewiesen werden. Allerdings schließt eine geringere Plasmazellinfiltration ein multiples Myeloma nicht aus, wenn z.B. typische Myelomherde und ein monoklonales Paraprotein nachweisbar ist so spricht dies ebenso für das Vorliegen eines Myeloms. Allerdings müssen andere Ursachen der Knochenläsionen ausgeschlossen bzw. unwahrscheinlich sein.

Blutbefund:

Häufig gelingt darüber hinaus der Nachweis monoklonalen Proteins (M-Protein) in den Blutproben. Das M-Protein wird von Myelomzellen gebildet.

Harnbefund:

Im 24-Stunden-Sammelurin lassen sich bei einen Teil der Patienten über die Niere ausgeschiedene monoklonale Leichtketten nachweisen.

 

Multiples Myelom

Ist das Kriterium von mindestens 10 % monoklonalen Plasmazellen im Knochenmark erfüllt (Ausnahme siehe oben), ist zu unterscheiden ob es sich um ein behandlungspflichtiges (meist symptomatisches) oder ein sogenanntes “Smoldering Myelom” (definitionsgemäß asymptomatisches) oder “frühes Myelom” handelt. Als symptomatisch wird die Erkrankung dann bezeichnet, wenn sie zu Organschäden führt – dazu müssen bestimmte Kriterien (CRAB-Kriterien) erfüllt sein oder man muss aufgrund von Biomarkern davon ausgehen, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80 % eines oder mehrere dieser “CRAB-Kriterien” innerhalb von 2 Jahren eintreten würden.

Dazu werden insbesondere folgende Untersuchungen herangezogen:

  • Computertomographie der Knochen

  • Nachweis von mehr als einen typischen Skelettbefund (lytic lesion) mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

  • Nachweis einer Verdrängung der normalen Blutbildung

  • Messung der Kalziumkonzentration im Blut

  • Nachweis einer Schädigung der Niere

  • Nachweis einer starken Verschiebung der Ratio der freien Leichtketten

 

Smoldering Multiples Myelom

PatientInnen mit einem Smoldering Myelom werden routinemäßige und engmaschig (meist alle 3 Monate) durch

einem spezialisierten Hämatologen untersucht.

 

Solitäres Plasmozytom (einzelner Plasmazelltumor)

PatientInnen mit solitärem Plasmozytom können zum Zeitpunkt der Tumorentdeckung ebenfalls M-Proteine im Blut oder Urin aufweisen. Wenn nach Entfernung und/oder Bestrahlung des Tumors keine M-Proteine mehr nachweisbar sind, gilt die Diagnose eines solitären Plasmozytoms als gesichert. 50-70 % der PatientInnen mit einem solitären Plasmozytom erkranken später an einem Multiplen Myelom. Regelmäßige Untersuchungen sind deshalb bei diesen PatientInnen unumgänglich.

 

MGUS

Eine MGUS (Monoklonale Gammopathie Unbekannter Signifikanz) ist nicht behandlungspflichtig. PatientInnen mit MGUS haben ein Risiko von etwa einem Prozent pro Jahr ein Multiples Myelom oder eine andere bösartige Erkrankung weißer Blutkörperchen zu entwickeln. Daher sollten regelmäßige d.h. jährliche Laborkontrollen erfolgen.

 

Einschätzung der Prognose

Die beiden wesentlichen myelomspezifischen Parameter, die die Prognose eines/einer PatientIn bezüglich des ereignisfreien und Gesamtüberlebens bestimmen, sind die Tumorlast (Gesamtzahl der Myelomzellen) und die molekularen Eigenschaften der Myelomzellen. Beide Parameter sind bis zu einem gewissen Grad voneinander unabhängig.

Das Multiple Myelom wird auf Basis eines Internationalen Staging Systems (ISS) in mehrere Stadien eingeteilt:

 

Stadium                   Laborwerte

Stadium I                 b2-Mikroglobulin < 3,5 mg/dl und Serum-Albumin ≥ 35 g/l

Stadium II                b2-Mikroglobulin < 3,5 mg/dl und Serum-Albumin < 35 g/l

                                oder

                                b2-Mikroglobulin 3,5-5,5 mg/dl

Stadium III               b2-Mikroglobulin > 5,5 mg/dl

 

Stadieneinteilung nach dem “Internationalen Staging System” (ISS) basierend auf b2-Mikroglobulin und Serum-Albumin

Quellen:

Patienten-Handbuch Multiples Myelom - 2017; Überarbeitete und ergänzte Auflage August 2017 mit Unterstützung der Plasmozytom-Selbsthilfe Rhein-Main Wiesbaden und Myelom Deutschland e.V und unter Mithilfe von Herrn Prof. Dr. Jens Hillengaß, Herrn PD Dr. Dr. Dipl.-Phys. Dirk Hose, Herrn PD Dr. Marc-Steffen Raab, Frau Dr. Uta Bertsch, Frau PD Dr. Ute Hegenbart, Herrn Dr. Marc-Andrea Bärtsch, Herrn Dr. Elias K. Mai und Herrn Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt; Sektion Multiples Myelom, Medizinische Klinik V, Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT) und Plasmozytom-Selbsthilfe Rhein-Main; Stand 2017

 

Der blaue Ratgeber: Plasmozytom – Multiples Myelom, Antworten, Hilfen, Perspektiven; Deutsche Krebshilfe; Stand 2011

 

Li Peiwein et al.; Chinesische Medizin in der Onkologie – Konstitutionelle Unterstützung und Begleittherapie; Verlag URBAN & FISCHER, 1. Auflage 2007

 

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