Fachbegriffe aus dem Umfeld des Multiplen Myeloms

Alkylantien:

Eine Gruppe chemotherapeutischer Wirkstoffe, die häufig auch zur Behandlung des Multiplen Myeloms verwendet

werden. Hierzu gehören u.a. Melphalan und Cyclophosphamid (Endoxan®) sowie Bendamustin.

“Alkylierend” bezeichnet die Art und Weise, in der diese Wirkstoffe die Erbsubstanz (DNA) bösartiger Zellen vernetzen und die Zellteilung blockieren.

Allogen:

Begriff zur Beschreibung einer Transplantationsart, bei der die Blutstammzellen eines Familienmitgliedes oder nicht verwandten Spenders verwendet werden. Der Haupteffekt dieser Transplantationsart besteht in der Reaktion des Abwehrsystems (“Immunsystem”) des Spenders gegen das Multiple Myelom des Empfängers. Dabei kann es aber auch zu Reaktionen gegen gesunde Organe des Empfängers kommen, was die Lebensqualität unter Umständen erheblich einschränken bzw. in ausgeprägten Fällen tödlich sein kann.

AL-Amyloidose:

Erkrankung, bei der die leichten Ketten der beim MGUS oder Multiplen Myeloms abgesonderten Immunglobuline in Geweben und Organen des Körpers, wie Herz und Nieren, abgelagert werden und diese schädigen.

Anämie:

Eine Verminderung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die i.d.R. mit einem niedrigen Gehalt an Blutfarbstoff (Hämoglobin unter 12 g/dl) einhergeht und sich in Leistungsmangel und Müdigkeit äußert. Die Ausbreitung von Myelomzellen im Knochenmark, von diesen produzierte Botenstoffe (“Zytokine”), aber auch zur Therapie des Multiplen Myeloms eingesetzte Medikamente können dabei eine ausreichende Produktion von Erythrozyten verhindern.

Angiogenese/Antiangiogenese:

Die neue Bildung von Blutgefäßen wird als “Angiogenese” bezeichnet. Substanzen wie beispielsweise Thalidomid können diesen Vorgang hemmen. Wachsende Tumoren benötigen für ihre Versorgung mit Nährstoffen neue Blutgefäße. Daher kann durch die Hemmung der Angiogenese eine Verlangsamung oder ein Stillstand des Tumorwachstums erreicht werden.

Autolog:

Begriff zur Beschreibung einer Transplantationsart, bei der Blutstammzellen des/der PatientIn selbst verwendet werden. Diese Zellen ermöglichen die Gabe hoher Dosen an Chemotherapie, die ohne die Transplantation für den/die PatientIn nicht tolerabel wären. Die transplantierten Knochenmark- oder Blutstammzellen selbst haben dabei keinen therapeutischen Nutzen gegen das Multiple Myelom.

Bence-Jones-Protein:

Der Begriff bezeichnet den Nachweis von Kappa- oder Lambda-Leichtketten im Urin. Die Menge der Bence-Jones-Eiweiße wird in Milligramm (mg) pro 24 Stunden bzw. pro Tag (d) ausgedrückt. Jedes Vorkommen von Bence-Jones-Eiweißen ist abnorm (hohe Konzentrationen im Urin weisen auf ein aktives Myelom hin).

Beta2-Mikroglobulin:

Ein kleines, im Blut und Urin messbares Protein, das Bestandteil des Immunsystems (der HLA-Moleküle) ist. Große Mengen kommen bei PatientInnen mit aktivem Multiplen Myelom vor, gehen mit hoher Krankheitsaktivität (Tumorlast) einher und sind mit einer ungünstigen Prognose vergesellschaftet. Geringe oder normale Mengen sind bei PatientInnen mit MM im Frühstadium und/oder weniger aktiver Krankheit vorhanden. Eine reduzierte Nierenleistung kann die Konzentration des Beta2-Mikroglobulin ebenfalls erhöhen.

Bisphosphonate:

z.B. Pamidronat, Ibandronat, Zoledronat, Clodronat.

Substanzgruppe zum “Knochenschutz”. Diese Medikamente reduzieren die Aktivität der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten). Die Osteoklasten werden durch Myelomzellen stimuliert und bewirken daraufhin Knochenschmerzen, Knochenbrüche und die vermehrte Freisetzung von Kalzium. Die positiven Effekte (Reduktion von Knochenschmerzen und -frakturen sowie Lebensverlängerung) sind über viele Jahre (bis zu
6 Jahre) nachweisbar. Dem gegenüber steht das Risiko der Schädigung des Kieferknochens durch Entzündung unter Bisphosphonaten.

Blutplättchen (Thrombozyten):

Einer der drei wichtigsten Blutbestandteile (neben weißen [Leukozyten] und roten [Erythrozyten] Blutkörperchen). Blutplättchen verschließen Risse der Blutgefäßwände und stimulieren die Blutgerinnung. Sie hemmen so Blutungen.

Bortezomib:

Bortezomib ist ein Proteasom-Inhibitor. Proteasomen sind Eiweißkomplexe (Proteine) im Inneren der Zelle, die für den Abbau nicht mehr benötigter Eiweiße zuständig sind. Tumorzellen mit ihrer erhöhten Wachstums- und Stoffwechselrate sind auf diese Proteasomen besonders angewiesen.

Carfilzomib:

Neuartiger Proteasom-Inhibitor.

CD138-Sortierung:

Ein Laborverfahren zur diagnostischen Aufreinigung von Knochenmarkblutproben, das “reine” Myelomzellen für weitergehende Analysen liefert. Hintergrund ist, dass in der Knochenmarkblutprobe neben Myelomzellen zahlreiche andere Zelltypen vorkommen. Diese erschweren die Charakterisierung der Myelomzellen. CD138 ist ein Antigen, das Myelomzellen von anderen Zellen unterscheidet und so zur Aufreinigung verwendet werden kann.

CRAB-Kriterien:

Siehe Information unter SLiM-CRAB-Kriterien.

Daratumumab:

Therapeutischer monoklonaler Antikörper (siehe unten), der zielgerichtet an das Oberflächenmolekül CD38 auf verschiedenen Zelltypen bindet und diese damit für das körpereigene Immunsystem angreifbar macht. Myelomzellen besitzen überdurchschnittlich viel CD38, aber auch verschiedene Zellen des Immunsystems tragen CD38 auf ihrer Oberfläche, was für die Wirksamkeit von Daratumumab eine Rolle zu spielen scheint.

Elektrophorese:

Ein Labortest, bei dem die Eiweiße (Proteine) im Patientenserum einer Trennungstechnik durch Bewegung in einem elektrischen Feld unterzogen werden. Die Wanderungsgeschwindigkeit wird durch die Größe und die elektrische Ladung des jeweiligen, im Serum vorhandenen Proteins bestimmt. Diese Technik ermöglicht sowohl die Berechnung der monoklonalen Proteinmenge als auch den Nachweis des speziellen Charakteristikums der M-Spitze (monoklonales Immunglobulin) des/der PatientIn.

Elotuzumab:

Therapeutischer monoklonaler Antikörper, der zielgerichtet an das Oberflächenmolekül SLAMF7 (CS1) auf verschiedenen Zelltypen bindet. SLAMF7 findet sich auf Myelomzellen, die durch Elotuzumab für das Immunsystem angreifbar werden. Auch spezielle Immunzellen (sog. NKZellen) tragen SLAMF7 und werden durch Elotuzumab – anders als Myelomzellen – aktiviert, woraufhin sie die Immunantwort gegen das Multiple Myelom verstärken.

Ereignisfreies Überleben:

Ein Ausdruck zur Beschreibung der Dauer des Überlebens nach Behandlung des Multiplen Myelom ohne Rückfall (Rezidiv).

Erhaltungstherapie:

Begriff zur Beschreibung einer Behandlungsphase, die eine erreichte Remission erhalten soll.

FISH-Untersuchung (und iFISH):

Ein Verfahren, bei dem durch verschiedene, mit einem Farbstoff markierte “Sonden”, Zugewinne, Verluste oder Verschiebungen genetischen Materials nachgewiesen werden können.

Genexpressionsanalysen (GEP):

Ein Verfahren, bei dem die Aktivität (“Expression”) verschiedener Gene in einer Myelomzelle mittels eines sogenannten “DNA-Microarrays”, oft als “Chip” bezeichnet, gemessen werden kann. Das Verfahren ermöglicht die Charakterisierung von Subgruppen des Multiplen Myeloms und hilft Rückschlüsse auf den Mechanismus der Entstehung des Multiplen Myeloms zu ziehen. Ferner liefert die GEP prognostische Informationen.

HLA:

HLA (human leucocyte antigen) bezeichnet die bei der Gewebeabgleichung verwendeten Gewebeverträglichkeitsantigene

(= Oberflächenantigene). Eine Übereinstimmung von Spender und Empfänger in bestimmten HLA-Antigenen ist Voraussetzung für die allogene Stammzelltransplantation.

Hochdosistherapie (HDT):

Eine Therapieform, bei der hochdosiert ein Chemotherapeutikum (Mittel zur Krebsbehandlung) eingesetzt wird. Dabei werden sowohl Myelomzellen als auch Zellen der normalen Blutbildung abgetötet. Einer HDT folgt meist eine autologe Stammzell-Transplantation, um wieder eine normale Blutbildung zu gewährleisten.

Hyperkalziämie (Hyperkalziämische Krise):

Erhöhung des Kalziumspiegels im Blut (Serum). Sie kann bei PatientInnen mit Multiplen Myelom auftreten und entsteht hier gewöhnlich durch Knochenabbau, wobei Kalzium in die Blutbahn gelangt. Sie äußert sich durch Müdigkeit, Durst, Erbrechen und Verwirrtheit. Die Hyperkalziämie kann ein Nierenversagen begünstigen, da erhöhte Kalziumspiegel für die Nieren schädlich sind. Außerdem können gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten. Aus diesen Gründen wird die Hyperkalziämie meist als Notfall behandelt, indem Flüssigkeit und Medikamente zur Reduktion des Knochenabbaus (z.B. Bisphosphonate,Dexamethason) verabreicht werden. Diese Behandlung erfolgt parallel zur direkten Behandlung des Multiplen Myeloms.

Immunglobuline:

Von Plasmazellen gebildete Eiweiße (Antikörper), die im Blut zirkulieren und als Abwehrmoleküle des Immunsystems Krankheitserreger erkennen. Beim Multiplen Myelom stammen die meisten Immunglobuline von monoklonalen Myelomzellen und haben keine umfassende Abwehrfunktion.

IgG, IgA:

Antikörper (Eiweiße), die normalerweise für das Immunsystem wichtig sind.

IgD, IgE:

Zwei Arten von Antikörpern, die IgG und IgA ähnlich sind, jedoch sehr selten als Myelomprotein auftreten.

Immunfixation:

Sensitive Methode zur Erkennung des M-Proteintyps und zum Nachweis auch kleinerer M-Proteinmengen.

Induktionstherapie:

Dies ist die bei neu diagnostizierten PatientInnen mit Multiplen Myelom angewendete Anfangsbehandlung zur Erreichung einer Remission.

Interferon:

Ein normalerweise im Körper als Reaktion auf eine Virusinfektion produziertes Zytokin. Gentechnologisch

hergestelltes synthetisches Interferon wird zur Behandlung des Multiplen Myeloms nicht mehr verabreicht und nur

noch selten zur Erhaltungstherapie eingesetzt, um einen Rückfall (Rezidiv) zu verzögern.

ISS-Stadium:

(“Internationales Staging-System”; internationales System zur Stadieneinteilung; 3 Stadien: 1, 2, 3). Trotz des Namens eigentlich ein prognostischer Faktor, der aus einer Kombination von Serum-Albumin (einem Bluteiweiß) und Beta-2-Mikroglobulin (als Maß für die Tumormasse) berechnet wird. Ein höheres ISS-Stadium geht mit einer ungünstigeren Prognose einher.

Ixazomib:

Neuer Proteasom-Inhibitor und strukturell mit Ixazomib dem Bortezomib eng verwandt. Ixazomib kann aber als Tablette eingenommen werden.

Konsolidierungstherapie:

Begriff zur Beschreibung einer Behandlungsphase, in der man sich bemüht, eine erreichte Remission zu vertiefen.

Kreatinin:

Ein Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels, das normalerweise von den Nieren ausgeschieden wird. Wenn die Nieren geschädigt sind, steigt der Kreatinin-Serumspiegel. Der Kreatinin-Serumtest ist der am häufigsten verwendete, einfache Test zur Messung der Nierenfunktion.

Leichtketten:

Bestandteil der Immunglobuline. Sie können beim Multiplen Myelom im Überschuss gebildet werden und treten

dann als erhöhte freie Leichtketten im Serum sowie als Leichtkettenausscheidung im Urin in Erscheinung.

Lenalidomid:

Ein zur Behandlung des Multiplen Myeloms eingesetztes Thalidomid-ähnliches Medikament.

Leukapherese:

Verfahren zur Gewinnung von blutbildenden Stammzellen nach geeigneter Stimulation (meist Chemotherapie plus G-CSF) aus dem Blut.

MGUS:

Monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz. Nachweis einer monoklonalen Eiweißfraktion meist im Serum, geringe oder keine Plasmazellvermehrung im Knochenmark, keine Organschädigung und keine Krankheitssymptome. Dieser Befund (keine Krankheit) geht mit einer erhöhten Gefahr einher, an einem MM zu erkranken.

Monoklonal:

Ein Begriff zur Beschreibung des charakteristischen Merkmals eines Myelomproteins. Da sich das Multiplen Myelom aus einer einzigen malignen Plasmazelle (einem Klon) entwickelt, ist auch der produzierte Myelomproteintyp einheitlich, d.h. monoklonal. Das Gegenteil hiervon ist ein polyklonales Protein, d.h. viele verschiedene Immunglobuline, wie sie normalerweise vorkommen. Der wichtige praktische Aspekt eines monoklonalen Proteins ist, dass es bei der Elektrophorese, die häufig zur Diagnose oder Überwachung des Multiplen Myeloms verwendet wird, als scharfe Spitze (M-Spitze) erkennbar ist.

Monoklonale Antikörper:

Künstlich hergestellte monoklonale Antikörper werden seit Jahren erfolgreich zur Therapie verschiedener Krebserkrankungen eingesetzt. Diese therapeutischen Antikörper binden an Oberflächenmerkmale von Tumorzellen und markieren diese - Immunzellen des/der PatientIn können die so markierten Tumorzellen besser erkennen und zerstören. Seit 2016 sind die monoklonalen Antikörper Daratumumab und Elotuzumab zur Therapie des Multiplen Myeloms zugelassen.

M-Protein/M-Gradient/M-Spitze/M-Peak:

Diese Begriffe sind gleichbedeutend mit dem monoklonalen Protein und beziehen sich auf die Antikörper, die von den Myelomzellen produziert werden. Spitze (engl.: peak) bezieht sich auf das scharfe oder spitze Muster, das in der Protein-Elektrophorese erscheint, wenn ein monoklonaler Antikörper vorliegt.

Minimale Resterkrankung (minimal residual disease, MRD):

Bei PatientInnen in tiefer Remission nach einer Myelomtherapie kann mit verschiedenen Methoden nach “Krankheitsresten” gesucht werden. Da immer empfindlichere Methoden (Durchflusszytometrie, Sequenzierung, PET-CT) verfügbar werden, mit denen auch bei vielen PatientInnen in kompletter Remission noch Myelomzellen nachgewiesen werden können, wurde der Begriff der Minimalen Resterkrankung eingeführt. PatientInnen, die in einer kompletten Remission sind und bei denen sich mit den genannten Methoden keine minimale Resterkrankung nachweisen lässt, zeigen statistisch ein längeres Überleben.

Multi-Therapie-Resistenz (multi-drug resistance, MDR):

Ein Begriff zur Beschreibung der Resistenz gegen Standardbehandlungen des Multiplen Myeloms. MDR wird üblicherweise mit der Resistenz gegen typische Zytostatika assoziiert.

Myelomzelle (maligne [=bösartige] Plasmazelle):

Die Tumorzelle (Krebszelle) beim Multiplen Myelom. Normale Plasmazellen produzieren Antikörper zur Abwehr von Infektionen. Beim Multiplen Myelom produzieren die bösartigen Plasmazellen große Mengen von Antikörpern, denen die Fähigkeit, verschiedene Infektionen zu bekämpfen, fehlt. Die monoklonalen Antikörper stellen das monoklonale Protein oder M-Protein dar.

Nephelometrie:

Die am häufigsten verwendete Labormethode zur Bestimmung der Myelomproteinmenge im Blut. Im Gegensatz zur Elektrophorese wird hierbei eine Lichtstreuungstechnik verwendet. Sie wird häufig eingesetzt, da es sich um eine automatisierte Methode handelt und das Analyseergebnis schnell zur Verfügung steht. Die Bestimmung des Myelomproteins mittels Nephelometrie ergänzt die Elektrophorese und die Bestimmung des Gesamteiweißes.

Neutro(zyto)penie:  

Eine reduzierte Anzahl von neutrophilen Granulozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Diese “weißen Abwehrzellen” sind zur Bekämpfung bakterieller Infektionen besonders wichtig. Chemotherapien erzeugen oft eine Neutropenie. Im Gegensatz dazu werden Lymphozyten, die zur Bekämpfung von Virusinfektionen wichtiger sind, nicht so stark von Chemotherapien beeinflusst.

Osteoblast:

Eine Zellart, die den Knochen aufbaut. Beim Multiplen Myelom reduzieren von den Myelomzellen produzierte Botenstoffe Aktivität und Anzahl der Osteoblasten.

Osteoklast:

Eine Zellart, die Knochen abbaut. Botenstoffe von Myelomzellen stimulieren diese Osteoklasten und damit den Knochenabbau (die Knochenresorption). Bei gesunden Menschen wird die Knochenresorption durch die Aktivität der Osteoblasten, die neuen Knochen bilden, ausgeglichen. Beim Multiplen Myelom ist die Aktivität der Osteoblasten reduziert. Die Kombination aus beschleunigter Knochenresorption und blockiertem Neubau führt zu osteolytischer Skelettschädigung beim Multiplen Myelom, die auf Röntgen- und Computertomographieaufnahmen zumeist als Knochenlöcher (Osteolysen) erkennbar ist.

Panobinostat:

Medikament, das zur Therapie im Rezidiv des Multiplen Myeloms. Es handelt sich um einen sog. Histon-Deacetylase-

Hemmer (HDACi). Diese Substanzen greifen in die Umsetzung der genetischen Information (DNA) und den

Eiweißabbau in der Myelomzelle ein.

Plasmazelle:

Das normale Gegenstück zur Myelomzelle (siehe Myelomzelle). Diese Zellen produzieren Antikörper zur Bekämpfung von Infektionen.

Plasmozytom:

Dieser Begriff beschreibt eine Ansammlung von malignen Plasmazellen an einer umschriebenen Stelle, im Gegensatz zur Streuung über verschiedene Stellen (diffuse Verteilung wie beim Multiplen Myelom) in Knochenmark bzw. Gewebe. Das isolierte Plasmozytom ist durch Operation oder Bestrahlung heilbar.

Pomalidomid:

Neues Thalidomid- und Lenalidomid-verwandtes Medikament.

Remission und Ansprechen (engl. “response”):

Nachlassen der Krankheitszeichen – eine Remission ist aber nicht zwingend als „Heilung“ zu verstehen. Es wird zwischen einer Vollremission (alle Krankheitszeichen verschwunden, Blutbild und Knochenmark weisen normale Werte auf) und einer Teilremission (Krankheitszeichen, Blutbild und Knochenmark sind lediglich verbessert) unterschieden.

Schwere Ketten:

Bestandteil der Immunglobuline.

SLiM-CRAB-Kriterien:

Kriterien, bei deren Erreichen eine Myelomtherapie begonnen wird. Im Jahr 2014 wurden die bis dahin geltenden CRAB-Kriterien zu den sog. SLiM-CRAB-Kriterien erweitert.

Smoldering Multiples Myelom (SMM):

Das SMM ist die asymptomatische, also den Körper noch nicht schädigende Vorstufe des Multiplen Myeloms; “smoldering” bedeutet “schwelend”. Im Gegensatz zur Monoklonalen Gammopathie unbestimmter Signifikanz (MGUS) sind beim SMM der Anteil der Myelomzellen im Knochenmark und/oder das M-Protein im Serum höher. Das Risiko eines Übergangs des SMM in ein behandlungspflichtiges Multiples Myelom beträgt je nach Risikokategorie 25 % bis 75 % innerhalb von 5 Jahren nach Diagnose.

Stabile Krankheit (stable disease, SD):

Dieser Begriff wird bei PatientInnen verwendet, die zwar eine Reaktion auf die Behandlung zeigen, aber nur eine Reduzierung des M-Proteins von < 25 % aufweisen. Eine Stabilisierung kann manchmal viele Jahre anhalten.

Stammzellen der Blutbildung (hämatopoetische Stammzellen):

Normale blutbildende (hämatopoetische) Stammzellen sind Blutvorläufer-Zellen, aus denen die normalen Blutkomponenten entstehen, einschließlich roter und weißer Blutkörperchen sowie Blutplättchen. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark und können für eine Transplantation (nach geeigneter Stimulation) in das Blut mobilisiert und gesammelt werden.

Thalidomid:

Medikament, das in der Therapie des Multiplen Myeloms eingesetzt wird und verschiedene hemmende Effekte auf Tumoren aufweist.

Thrombopenie:

Ein verminderter Blutplättchenspiegel. Der normale Spiegel beträgt 150-400/nl. Blutungsprobleme treten i.d.R. erst bei weniger als 10/nl, selten bei weniger als 50/nl, auf. Transplantation (des Knochenmarks bzw. der Stammzellen): Die Stammzelltransplantation ist eine Methode um Knochenmark zu ersetzen, das zuvor als Folge einer intensiven (Hochdosis)-Chemotherapie mit oder ohne Bestrahlung zerstört wurde.

Überlebensrate:

Anzahl der PatientInnen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt am Leben sind (Gesamtüberleben) bzw. ohne Rückkehr (Rezidiv) der Erkrankung überlebt haben (ereignisfreies und progressionsfreies Überleben).

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten):

Einer der drei wichtigsten Zelltypen des Blutes. Es gibt viele verschiedene Arten von weißen Blutkörperchen, wobei Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten die häufigsten sind. Neutrophile Granulozyten (Kurzform: “Neutrophile”) sind zur Bekämpfung bakterieller Infektionen erforderlich. Als Folge von Chemotherapie können die neutrophilen Leukozyten auf ein sehr niedriges Niveau absinken; dieser Zustand heißt Neutrozytopenie und erhöht die Infektanfälligkeit.

 

Quellen:

Patienten-Handbuch Multiples Myelom - 2017; Überarbeitete und ergänzte Auflage August 2017 mit Unterstützung der Plasmozytom-Selbsthilfe Rhein-Main Wiesbaden und Myelom Deutschland e.V und unter Mithilfe von Herrn Prof. Dr. Jens Hillengaß, Herrn PD Dr. Dr. Dipl.-Phys. Dirk Hose, Herrn PD Dr. Marc-Steffen Raab, Frau Dr. Uta Bertsch, Frau PD Dr. Ute Hegenbart, Herrn Dr. Marc-Andrea Bärtsch, Herrn Dr. Elias K. Mai und Herrn Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt; Sektion Multiples Myelom, Medizinische Klinik V, Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT) und Plasmozytom-Selbsthilfe Rhein-Main; Stand 2017

 

Der blaue Ratgeber: Plasmozytom – Multiples Myelom, Antworten, Hilfen, Perspektiven; Deutsche Krebshilfe; Stand 2011

 

Li Peiwein et al.; Chinesische Medizin in der Onkologie – Konstitutionelle Unterstützung und Begleittherapie; Verlag URBAN & FISCHER, 1. Auflage 2007

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